Die besondere Geschichte 

Hier erzählt die UMSCHAU in loser Folge interessante Begebenheiten aus unserer Region.

 

Buchpremiere von Peter Jägers Roman „Eddie will leben“

Von Fortschritt und Druckerschwärze 

Quickborn (ane) Etwa 50 Bücherfreunde lockte die Premierenlesung von Peter Jägers neuem Roman „Eddie will leben“ am vergangenen Freitag in die Quickborner Stadtbücherei.     
Gemeinsam mit den beiden Co-Lesern  -  Verleger Günther Döscher vom Norderstedter Kadera-Verlag und Jägers langjähriger Freund Rainer Neumann - gab er einen Einblick in die Geschichte um den Druckereiinhaber Eddie, der die Schwierigkeiten des technischen Fortschritts zu meistern hat.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Klavierlehrerin Anna Milewska (Musikschule Quickborn) und Saxophonistin Sabine Koth (Greenhorns). Ein leckeres kleines Büfett sorgte für die Stärkung der Gäste und in der Pause und am Ende der Lesung gab es Gelegenheit, einige Worte mit dem Autor zu wechseln und sich sein Buchexemplar signieren zu lassen.
Die UMSCHAU nutze die Gelegenheit, Peter Jäger einige Fragen zu stellen.

UMSCHAU:  Nicht nur in Ihrem Roman, sondern auch in der Geschichte seiner Veröffentlichung spielt der technische Wandel eine große Rolle, denn seine erste Version wurde im  Internet veröffentlicht.  Wie kam es dazu, dass  jetzt doch ein gedrucktes Exemplar von „Eddie will leben“ vor uns liegt?


Peter Jäger: Angeregt zu dem Roman wurde ich durch Bücher, die von Kollegen neben ihrer journalistischen Arbeit geschrieben werden.  Deshalb habe ich meine erste Version, die unter dem Titel „Junge Füchse. Alte Hasen“ als e-Book erschienen ist, von zwei fiktiven Zeitungsmachern erzählen lassen.
Einer positiven Beurteilung bei Neobooks entnahm ich die Anregung, mich bei einem regionalen Verlag in Norderstedt zu bewerben. Bei dem Treffen mit dem Verleger Günther Döscher stellten wir überrascht fest, dass wir uns von früher aus der Zeitungsarbeit in Hamburg kannten.
Er stellte nur eine Bedingung: der Roman muss „abgespeckt“ und verkaufswirksamer gestaltet werden.


UMSCHAU: Neue Medien  oder bedrucktes Papier? Was bevorzugen Sie persönlich und warum?


Peter Jäger: Meine E-Buch-Veröffentlichung im vorigen Jahr hatte das Ziel, mit dem neuen Roman aufzufallen und eine „Anschubwirkung“ zu erreichen. Die aufwendige Arbeit sollte auf keinen Fall im Internet versickern. Ich möchte ein Buch in den Händen halten, das nach Druckerschwärze riecht, damit ich Lesungen und Signierstunden erleben kann.
 Die moderne Technik will ich trotzdem nicht verteufeln - wir arbeiten alle mit dem Computer, nutzen das Internet für Recherchen und verständigen uns per Handy. Allerdings vollzieht sich die technische Entwicklung für viele Nutzer so rasant, dass sie nicht mithalten können.


UMSCHAU: Haben Sie schon Pläne für  weitere literarische Projekte?


Peter Jäger: Keine konkreteren Pläne. Zunächst möchte ich meine Energie dafür einsetzen, möglichst viele Leser für ein spannendes, realitätsbezogenes Thema zu interessieren.
Ich könnte mir allerdings vorstellen, später wieder ein modernes Engel-Märchen zu verfassen. Es wäre dann meine vierte Piccolo-Geschichte.

(Mehr zum Buch von Peter Jäger siehe auch: Der letzte Gutenberg von Venedig)

Vom Oldtimer auf Schienen 

Es begann als reiner Pflichttermin. Ein angenehmer, zugegeben, doch nichtsdestotrotz Arbeit. Zumal Kammermusik nun wahrlich nicht zu meinen bevorzugten Musikrichtungen gehört. Aber Winnie Grambow, die Pressesprecherin der Freunde der Kammermusik Quickborn, hatte mir eine Überraschung versprochen.
Als ich dann am Freitag, 10. Oktober, gegen 18.15 Uhr auf dem Bahnhof Quickborn eintraf, stand der Uerdinger Schienenbus schon in Sichtweite auf einem Nebengleis. Winnie Grambow begrüßte die wartenden Musikfreunde mit Handschlag und freundlichen Worten.
Mit einbrechender Dämmerung fuhr der Uerdinger Schienenbus ein. Ein aufwändig restaurierter, historischer Zug der AKN. „Seit Jahren schon kooperieren wir mit der AKN und veranstalten jährlich ein gemeinsames Konzert im AKN-Kasino“, berichtete Winnie Grambow. „Einige Konzertgäste kommen auch mit ihren privaten Fahrzeugen, für die meisten gehört aber die gemeinsame Anreise mit dem Schienenbus zur Einstimmung einfach dazu.“ Und in der Tat, das Flair des Oldtimers war schon ein ganz spezielles. Während der Fahrt wurden angeregte Gespräche geführt und auch ich nutzte die Zeit und erzählte Winnie Grambow, wie sehr mir die familiäre Atmosphäre in diesem kleinen, feinen Kreis von Musikliebhabern gefiel. Sie stimmte mir zu, ergänzte aber auch: „Trotzdem würden wir gern ein paar neue Gesichter bei unseren Konzerten sehen. Es ist schwer, vor allem die jüngere Generation für Kammermusik zu begeistern.“
Draußen war es inzwischen dunkel geworden. Der Schienenbus hatte Kaltenkirchen erreicht, verließ kurz darauf die reguläre Strecke und fuhr in das Betriebsgelände der AKN ein.
Das AKN-Kasino war liebevoll hergerichtet worden und die Freunde der Kammermusik hatten Tische mit Getränken und kleinen Snacks aufgestellt. Kostenlos, gern aber gegen eine Spende.
Die kleine Bühne war nah an den Sitzreihen aufgebaut. Was für ein Unterschied zu den großen Konzertsälen! Die Musiker würden beinahe zum Greifen nah vor mir sein, ich würde jede ihrer Gefühlsregungen auf ihren Gesichtern ablesen können.
Die Reihen füllten sich - wenngleich für einen solchen Abend immer noch zu viele freie Plätze blieben – und das Konzert begann.
Die G-Strings präsentierten Werke von Komponisten, die ihnen selbst viel bedeuten. Allen voran Zio Piazzolla und Kurt Weil. Von ersterem hatte ich vorher nie etwas gehört, doch meine erste Begegnung mit diesem Meister des Tango Nuevo beeindruckte mich tief. Emotional und doch auch humorvoll angekündigt und mit großer Virtuosität vorgetragen, trafen mich die leidenschaftlichen Melodien mitten ins Herz.
Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich die Augen schließen und genießen oder lieber die Gesichter der fünf in ihr Spiel versunkenen Musiker beobachten wollte.
Ab und zu drehte ich mich um, beobachtete das Publikum und entdeckte keinen einzigen, der von der Spielfreude der G-Strings nicht mitgerissen wurde. Entsprechend war dann auch die Reaktion am Ende des Stückes: tosender Beifall und – was ich niemals in einem Kammerkonzert erwartet hätte – laute, begeisterte Ausrufe.
Wobei … Kammerkonzert traf es auch nicht ganz. Voller Experimentierlust wurden Stücke aus Tango Nuevo, Jazz, Rock und Pop und auch eigene Kompositionen in einem unverwechselbaren Stil zu Gehör gebracht - von zart und poetisch bis hin zu befeuernder Aggressivität.
Unvergesslich auch die Bearbeitung des Mackie Messer-Songs. So hatte ich dieses Lied noch nie gehört.
Eine Überraschung – in der Tat. Mein Fazit für diesen besonderen Abend: Moderne Kammermusik ist nicht nur etwas für Klassik-Liebhaber. Auf dass beim nächsten Konzert der Freunde der Kammermusik kein Platz mehr leer bleibe!
Autor: Liane Kwoll (über das Reisen)

Fotos zu dieser Geschichte finden Sie unter Galerien UMSCHAU (AKN-Konzert der Freunde der Kammermusik Quickborn).