Leserbriefe 

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S21 statt AKN–A1: 

Zum UMSCHAU-Artikel vom 26. November 2014 
Einwohnerversammlung: „Bürger diskutierten über den AKN-Ausbau und die Parksituation“

Ende des 18.ten Jahrhundert war die Idee zu einem schienengebundenen Verkehrsmittel von Altona (damals noch preußisch) über Kaltenkirchen nach Neumünster zur Personen- und Güterbeförderung geboren worden. Aktien sollten das Fundament der Finanzierung sein. Im Hamburgischen Correspondent vom 10. Januar 1883 war zu lesen: Die Umzeichnung der Beiträge für die gedachte Bahn ist bereits geschehen und es haben viele der Beteiligten ihre Beiträge um das Doppelte erhöht, da für die Errichtung dieser Bahn ein allgemeines Interesse und Vertrauen vorherrschend ist. 1918 wurden über 1 Million Fahrgäste und ca. 340.000 Tonnen Güter befördert.                  Nach 1927 verschlechterte sich die Lage für die AKN, weil Wettbewerb durch Omnibusse und Lastkraftwagen und auch die wirtschaftliche Rezession dem Unternehmen zu schaffen machten. Um diesem Wettbewerb standhalten zu können, beschloss die damalige Bahnverwaltung die Anschaffung komfortabler Triebwagen als Ersatz für die von einer Dampflokomotive gezogenen, Kohle beheizten Waggons. Danach ging es dann wieder aufwärts. Bis heute hat kein Verkehrsmittel die Entwicklung entlang der Achse Altona-Kaltenkirchen-Neumünster die strukturelle, einwohnerbezogene, kommunale und wirtschaftliche Situation beeinflusst und gefördert, wie die AKN. Diese drei Buchstaben sind zu einem Synonym für die Region geworden.

S21 statt AKN–A1: das kann nicht gut gehen! In Verbindung mit der Bundesstraße B 4 und später der Bau der Autobahn A7 (seit 1972) ist in dieser Region ein einmaliges infrastruktur-und wirtschaftspolitisches Gefüge von einmaliger Bedeutung entstanden. Kein Wunder, dass Hamburg die Metropol-Region Hamburg bis Neumünster vor kurzen ausgedehnt hat. 

In dem Buch „125 Jahre AKN–Eisenbahn AG, 1883 bis 2008 hat ein Weltkonzern der AKN mit einer Anzeige: CHAPEAU! Wir verneigen uns vor 125 Jahren Pioniergeist, gratuliert.                    

Nun soll  es weitergehen und die AKN muss sich neuen Forderungen und Ansprüchen stellen. Umwelt, Komfort, Kosten und anderes mehr stehen zur Bewältigung an. Der Vorstandvorsitzende der AKN, Herr Wolfgang Seyb hat in der Veranstaltung am 13.11.2014 im Ratssaal zu Kaltenkirchen vor zahlreichen Einwohnern viel Interessantes zum Ausbau der AKN, wie z.B. den neuen Triebwagen „Coradia LINT 54“, Elektrifizierung der Strecke A1, Reaktion und Aufgaben der AKN in Zusammenhang mit dem 6-streifigen Ausbau der A7, Toiletten in den Zügen, etc. Aber in einigen, schwerwiegenden Punkten sind  Fragen offen geblieben, bzw. gar nicht angesprochen worden und sollen an dieser Stelle nochmal wiederholt bzw. ergänzt werden.

1) Warum hat nach dem Besteller-/ Bezahler-Prinzip der Baulast-Träger (in diesem Fall das Land Schleswig-Holstein als Auftragsverwalter für die BRD für den A7 Ausbau bei der AKN keine zusätzliche Zugfolge bestellt, damit in den morgen- und abendlichen Spitzenzeiten die A7 von Berufspendlern und Individualverkehr entlastet wird? Dafür wurde auf diversen Informations-Veranstaltungen auf höchster politischer Ebene geworben. Wenn nun die AKN selbst mit dem zweigleisigen Ausbau der A1 auf dem Abschnitt Tanneneck, Ellerau bis Quickborn (z.T. in Tieflage/Unterführung) beginnt, stellt sich die Frage, ob während der langen Bauzeiten beider Projekte (A7 und A1) überhaupt die AKN in der Lage ist, eine höhere Zugfolge umzusetzen.

2) Warum hört man nicht auf Volkes Mund, auf Empfehlungen von Experten, und auf die Meinung des Bundestagsabgeordneten Gero Storjohann (CDU), dass Toiletten im Sinne von mehr Kundenfreundlichkeit dringend erforderlich sind, um mehr Gelegenheitsnutzer in die Bahn zu locken? Immerhin dauert eine Fahrt mit der AKN von Neumünster nach HH-Eidelstedt 1,5 Stunden und der demografische Wandel bringt zunehmend Fahrgäste mit einer schwachen Blase. Mal eben beim nächsten Bahnhof aussteigen und eine Toilette aufsuchen funktioniert auch nicht. Es gibt nur ganz wenige Bahnhöfe mit Toiletten. Die Seyb'sche Theorie, der AKN Fahrgast sei nur 10 Km im Durchschnitt unterwegs, dürfte wohl rein theoretischer Natur sein. Vorschlag:Toiletten privatisieren und Kostenbeitrag erheben.

3) Warum wurde eine sich aufdrängende Alternative zur Elektrifizierung der A1 (zur S 21) mit Kosten von EUR 100 Mio (ohne Züge gerechnet) nicht geprüft und erwogen? Diese Alternative könnte sein, auf den vorhandenen, im Besitz der AKN befindlichen Gleisen bis vor Altona (über 100 Jahre alt, revitalisierbar) die jetzige A1 (als A21) bis zum neuen Bahnhof Diebsteich (der als Ersatz für den jetzigen Bahnhof Altona) bis 2020/2015 fertig gestellt werden soll, fahren zu lassen. In Diebsteich entsteht ein moderner, überdachter Bahnhof mit 4  Ferngleisen, 2 Regionalbahn-Gleisen und 2 S-Bahn Gleisen. Ein idealer Standort, um wind- und wettergeschützt von der A1 (als A21) in alle Richtungen umzusteigen. An diesem Ort könnte die A1 (als A21) auf eigenem Terrain auch einen Bahnsteig mit Wendemöglichkeit bekommen. Es müssten nur neue Gleise auf vorhandenem Gleisbett verlegt werden. Ob diese „ A21“ elektrisch mit einer Oberleitung, teuer in der Errichtung und Unterhaltung fahren muss, oder ob es nicht alternative Antriebe wie Hybrid, LPG-Flüssiggas oder Wasserstoff, gewonnen aus überschüssiger Windenergie, die umweltfreundlichere und wirtschaftlichere Lösung ist, muss diskutiert werden. Eine derartige Variante hätte Pilot-Charakter und dafür gibt es in Brüssel zahlreiche Töpfe, um Zuschüsse zu erhalten. Und diese umweltfreundlichen, wirtschaftlichen Züge könnten auf allen Strecken in  Schleswig-Holstein eingesetzt werden !

4) Warum wird nicht im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen (z.B. Nordgate: Das Tor zur Metropolregion Hamburg) die Strecke Kaltenkirchen-Bad Bramstedt-Neumünster für die Zukunft vorbereitend mit in die Diskussion und Planung einbezogen? Wie heißt es so schön in einem Flyer von Nordgate: Ein Städtenetz im Aufbruch. 210.000 Einwohner, 1,0 Mio qm Gewerbeflächen sofort verfügbar, 2,5 Mio qm Gewerbeflächen perspektivisch. Da würde es sogar Sinn machen, auch über eine Verlängerung der U-Bahn U1 von Norderstedt–Mitte bis Ulzburg-Süd perspektivisch nachzudenken.

5) Was verfolgt die Freie und Hansestadt Hamburg mit der Absicht, auf dem jetzigen Wendegleis der AKN in HH-Eidelstedt eine Abstellanlage für S-Bahnzüge und eine Wartungshalle zu bauen? Wenn diese Planung, mit der die AKN beauftragt wurde, umgesetzt wird, entfällt das Wendegleis für die jetzige A1 in Eidelstedt. Dann wäre die Alternative, dass die A1 in Eidelstedt-Zentrum endet und die Fahrgäste in Busse umsteigen müssen oder die A1 fährt wie bisher in Eidelstedt ein, die Fahrgäste müssen ganz schnell aussteigen und die wartenden Fahrgäste ebenso schnell einsteigen, der Lokführer im Schnellspurt zum anderen Zug-Ende laufen, Platz am Führerstand nehmen und auf selben Gleis wieder Richtung Kaltenkirchen fahren. Voraussetzung sind ausreichend  Pausen zwischen den Zugfolgen der S-Bahnen S3 und S21. Da die Freie und Hansestadt Hamburg bzw. S-Bahn Hamburg GmbH in dieser Sache auf eine Realisierung bis 2018 drängt, ist im Interesse der Erhaltung der AKN und der Arbeitsplätze in Kaltenkirchen schnelles politisches handeln angesagt. Die A1 ist das finanzielle und unternehmerische Rückgrat der AKN und muss es bleiben.

Wenn Herr Seyb in der Veranstaltung am 13.1.2014 auf die Frage nach der Sicherheit der Arbeitsplätze, speziell Kaltenkirchen/Ausbesserungs-und Reparatur-Werk ausgesagt hat, dass mit Einführung der S21 ein schwieriger Umstellungsprozess einsetzen wird, steht wohl mehr als bisher für Kaltenkirchen bekannt, auf dem Spiel. Wenn es erst mal heißt, das Schönste an Kaltenkirchen ist die S-Bahn nach Hamburg, werden es die Geschäftsleute besonders merken, denn Hamburg ist eine tolle Einkaufstadt. Hierauf muss die Geschäftswelt, Politik und Kommunal-Verwaltung reagieren.

Ein Initiativ–Kreis AKN muss her, in dem Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Bürgertum vertreten sind, der zum Wohle der ganzen Region handeln muss.

Dipl.-Ing. Nic Pohlmann, Kaltenkirchen

Verwendete Quellen und Literaturhinweise:
Herbert Lau/Jörg Peter Hahn, Vom Dampfross zum Triebwagen, Hans Christians-Verlag
Jörg Minga/Reinhard Hassenstein, 125 Jahre AKN Eisenbahn AG, Ellert & Richter Verlag
Nordgate; Flyer- Das Tor zur Metropolregion Hamburg, Herausgeber: Entwicklungsgesellschaft Norderstedt mbH   
Internet: LVS-nah.sh, Landes Verkehrsservicegesellschaft Schleswig-Holstein